KI im Unternehmen: Zwischen Produktivitätsschub und neuen Risiken

Künstliche Intelligenz hat sich in vielen Unternehmen innerhalb kurzer Zeit von einem Innovationsthema zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags entwickelt. Anwendungen zur Text-, Bild- oder Präsentationserstellung werden zunehmend selbstverständlich genutzt - häufig ohne klare Leitplanken für Informationssicherheit, Datenschutz und Compliance.
Die Möglichkeiten sind enorm: Marketingtexte, Präsentationen, Code, Analysen oder Design lassen sich heute in Minuten erstellen. Aufgaben, die bislang ausgelagert oder nur mit hohem Zeitaufwand intern umgesetzt wurden, können zunehmend selbst erledigt werden. Für viele Unternehmen ist KI damit ein zentraler Hebel, um effizienter zu arbeiten und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Gleichzeitig entstehen jedoch neue Risiken fürInformationssicherheit, Datenschutz und Compliance, die im operativen Alltag häufig unterschätzt werden. Denn während der Fokus oft auf dem liegt, was mit KI alles möglich ist, bleibt die Frage offen, wie diese Technologien sicher und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Wenn Möglichkeiten schneller wachsen als das Sicherheitsbewusstsein
Der zunehmende Einsatz von KI führt dazu, dass neue Tools häufig eigenständig von Mitarbeitenden getestet und genutzt werden - meist aus Neugier oder dem Wunsch heraus, effizienter zu arbeiten. Genau hier entsteht ein Spannungsfeld. Denn während die technischen Möglichkeiten rasant wachsen, halten Sicherheitskonzepte, Richtlinien und Sensibilisierung in vielen Unternehmen nicht Schritt.
Ein typisches Szenario aus dem Alltag: Ein Mitarbeitender nutzt ein frei verfügbares KI-Tool, um Texte, Präsentationen oder Analysen zu erstellen. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, werden interne Dokumente, Kundendaten oder strategische Informationen als Input verwendet.
Gerade bei frei verfügbaren KI-Tools ist für Unternehmen jedoch häufig nicht transparent, wie eingegebene Daten verarbeitet, gespeichert oder gegebenenfalls zur Verbesserung der Systeme genutzt werden. Insbesondere bei Consumer- oder kostenlosen Versionen fehlen oft vertragliche Garantien und Kontrollmöglichkeiten, wodurch die Hoheit über sensible Informationen verloren gehen kann.
Ein weiteres Risiko entsteht durch ein zu großes Vertrauen in die Technologie selbst. KI-Systeme unterscheiden nicht zwischen „öffentlich“, „intern“ oder „vertraulich“. Werden sensible Inhalte als Grundlage für Präsentationen oder Dokumente genutzt, übernimmt die KI diese Informationen kontextlos. Ohne sorgfältige Prüfung können vertrauliche oder geheime Inhalte unbeabsichtigt veröffentlicht oder weitergegeben werden.
Das Problem liegt dabei weniger in der Technologie als im Umgang mit ihr. KI wirkt intuitiv, hilfreich und harmlos - und genau das macht sie aus Sicht der Informationssicherheit besonders anspruchsvoll.
Konkrete Tools, konkrete Verantwortung
Ob ChatGPT, Copilot, Perplexity, Gemini, Canva, Gamma oder bildgenerierende Systeme wie Midjourney - viele dieser Anwendungen sind längst Teil des Arbeitsalltags. Die Frage ist daher nicht mehr, ob solche Tools genutzt werden, sondern wie bewusst und unter welchen Rahmenbedingungen.
Unterschiede zwischen kostenlosen und professionellen Versionen, unklare Datenverarbeitungsprozesse, fehlende vertragliche Regelungen oder eine Verarbeitung außerhalb der EU können schnell zu Risiken werden. Ohne klare Leitplanken bleibt die Verantwortung am Ende beim Unternehmen - unabhängig davon, wer das Tool konkret genutzt hat.
Der EU AI Act: KI wird zur Governance-Frage
Mit dem EU AI Act erhält der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erstmals einen verbindlichen regulatorischen Rahmen. Auch Unternehmen, die selbst keine KI entwickeln, sind betroffen, sobald KI-Systeme in Geschäftsprozessen eingesetzt werden.
Der EU AI Act macht deutlich, dass KI kein reines Innovationsthema mehr ist, sondern eine Frage von Verantwortung, Risikomanagement und Compliance. Unternehmen müssen sich künftig intensiver damit auseinandersetzen, welche KI-Systeme eingesetzt werden, zu welchem Zweck sie genutzt werden und welche Risiken damit verbunden sind.
Informationssicherheit, Datenschutz und KI-Governance wachsen dabei immer stärker zusammen. Wer hier unvorbereitet ist, riskiert nicht nur Datenlecks oder Reputationsschäden, sondern auch regulatorische und rechtliche Konsequenzen.
Sensibilisierung statt Verbote
Ein pauschales Verbot von KI-Tools ist weder realistisch noch sinnvoll. Der Mehrwert dieser Technologien ist zu groß, um darauf zu verzichten. Erfolgreicher ist ein anderer Ansatz: Sensibilisieren statt blockieren.
Mitarbeitende müssen verstehen, welche Daten sie in KI-Systeme eingeben dürfen – und welche nicht. Sie sollten wissen, dass KI Ergebnisse liefert, aber keine Verantwortung für deren Inhalt übernimmt. Klare Richtlinien, definierte freigegebene Tools und regelmäßige Schulungen schaffen Orientierung und Sicherheit.
Nur wenn Produktivität und Sicherheitsbewusstsein gemeinsam gedacht werden, lässt sich das Potenzial von KI nachhaltig nutzen.
Fazit: KI braucht klare Leitplanken
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt nachhaltig und bietet enorme Chancen für Unternehmen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Risiken häufig erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.
Unternehmen stehen vor der Aufgabe, KI nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und sicherheitsseitig sauber zu integrieren. Wer frühzeitig Strukturen schafft, Mitarbeitende sensibilisiert und regulatorische Entwicklungen wie den EU AI Act berücksichtigt, kann Innovation ermöglichen, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Wie wir als glacier hier unterstützen können
Die glacier unterstützt Unternehmen dabei, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sicher, verantwortungsvoll und regelkonform zu gestalten. Dazu gehören unter anderem die Bewertung von KI-Tools aus Informationssicherheits- und Datenschutzsicht, die Entwicklung von KI-Nutzungsrichtlinien, Sensibilisierung von Mitarbeitenden sowie die Einordnung und Umsetzung der Anforderungen aus dem EU AI Act.
Wenn Sie KI im Unternehmen nutzen möchten, ohne Risiken zu unterschätzen, begleiten wir Sie gerne als Berater und Sparringspartner.