OpenClaw im Unternehmen: Risiken für Informationssicherheit und Datenschutz

KI-basierte Agenten und Automatisierungstools werden derzeit intensiv diskutiert. Lösungen wie OpenClaw versprechen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, Systeme miteinander zu verknüpfen und Aufgaben weitgehend eigenständig zu übernehmen.
Genau diese Fähigkeiten machen solche Tools attraktiv. Gleichzeitig werfen sie grundlegende Fragen auf, insbesondere dann, wenn sie im Unternehmenskontext eingesetzt werden.
Dieser Beitrag ordnet ein, wie OpenClaw technisch funktioniert, woher das Tool kommt und warum sein unkontrollierter Einsatz erhebliche Auswirkungen auf Informationssicherheit und Datenschutz haben kann.
Was ist OpenClaw – und woher kommt das Tool?
OpenClaw ist ein KI-basierter Agent, der nicht nur einzelne Aufgaben unterstützt, sondern aktiv mit bestehenden Systemen interagiert. Anders als klassische KI-Tools, die meist klar abgegrenzte Funktionen erfüllen, agiert OpenClaw als ausführende Instanz innerhalb einer bestehenden IT-Umgebung.
Das Tool ist darauf ausgelegt, Anwendungen zu steuern, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und eigenständig Aktionen auszulösen, sofern entsprechende Berechtigungen vorliegen. Genau dieser Ansatz unterscheidet OpenClaw von vielen bisherigen Automatisierungs- oder Assistenzlösungen.
Was technisch beeindruckend wirkt, ist zugleich der Grund, warum der Einsatz im Unternehmen besonders sensibel betrachtet werden muss.
Wie arbeitet OpenClaw technisch?
Um seine Funktionen erfüllen zu können, benötigt OpenClaw sehr weitreichende Zugriffsrechte. Je nach Einsatzszenario kann das Zugriffe auf Endgeräte wie Unternehmensrechner oder Smartphones umfassen, ebenso wie den Zugriff auf Benutzerkonten, Anwendungen und angebundene Systeme.
Häufig werden Cloud-Dienste, E-Mail-Konten, Kalender oder Ticketsysteme integriert. Teilweise sind dafür auch administrative oder systemnahe Berechtigungen erforderlich. Technisch verhält sich OpenClaw damit nicht wie eine klassische Software mit klar begrenztem Funktionsumfang, sondern wie ein Agent, der innerhalb der IT-Landschaft handelt.
Was in einer privaten Testumgebung zunächst harmlos erscheint, hat im Unternehmenskontext eine deutlich größere Tragweite.
Warum OpenClaw aus Sicht der Informationssicherheit kritisch ist
Aus Sicht der Informationssicherheit ergeben sich mehrere zentrale Risiken. Sobald ein KI-Agent über weitreichende Berechtigungen verfügt, ist häufig nicht mehr eindeutig nachvollziehbar, welche Daten wann, wohin und zu welchem Zweck verarbeitet werden. Damit geht ein Verlust an Transparenz und Kontrolle über Datenflüsse einher.
Zusätzlich erweitert jede neue Integration und jedes Tool mit administrativen Rechten die Angriffsfläche der IT-Umgebung. Wird ein solcher Agent kompromittiert, können die Auswirkungen erheblich sein. Hinzu kommen Fragen der Verantwortlichkeit. Automatisierte Aktionen durch KI-Agenten erschweren die klare Zuordnung von Entscheidungen, insbesondere im Falle von Fehlfunktionen oder Sicherheitsvorfällen.
Auch die Nachweisbarkeit leidet. Für Audits, Incident-Analysen oder regulatorische Prüfungen kann es deutlich schwieriger werden, Entscheidungen und Datenverarbeitungen sauber zu rekonstruieren.
Datenschutz: Warum OpenClaw besonders sensibel ist
Neben der Informationssicherheit spielt der Datenschutz eine mindestens ebenso wichtige Rolle. KI-Agenten wie OpenClaw verarbeiten häufig personenbezogene Daten, vertrauliche Unternehmensinformationen, Kommunikationsinhalte sowie Metadaten aus unterschiedlichen Systemen und Anwendungen.
Damit stellen sich zwangsläufig Fragen nach Zweckbindung, Datenminimierung, Speicherorten, Weiterverarbeitung und der Einbindung von Drittanbietern oder Subunternehmern. Ebenso relevant sind Betroffenenrechte, Löschkonzepte und Transparenzpflichten.
Ohne klare und belastbare Antworten auf diese Punkte ist ein datenschutzkonformer Einsatz im Unternehmen kaum realistisch.
Warum der unkontrollierte Einsatz besonders problematisch ist
In der Praxis werden Tools wie OpenClaw häufig aus Neugier oder Innovationsdrang getestet. Meist nicht aus Leichtsinn, sondern aus dem Wunsch heraus, Prozesse zu verbessern und effizienter zu arbeiten.
Genau hier liegt das Risiko. Bereits ein kurzer Test auf einem Unternehmensgerät oder die Verbindung mit einem Firmenaccount kann dazu führen, dass sensible Daten verarbeitet werden, ohne dass zuvor eine Sicherheits- oder Datenschutzbewertung stattgefunden hat.
Für Informationssicherheitsbeauftragte und Datenschutzverantwortliche ist das ein klassisches Risikoszenario.
Was Unternehmen vor einem Einsatz klären sollten
Bevor der Einsatz von OpenClaw oder vergleichbaren KI-Agenten überhaupt in Betracht gezogen wird, sollten grundlegende Fragen beantwortet sein. Dazu gehört, welche Funktionen konkret genutzt werden sollen und welche Berechtigungen dafür erforderlich sind. Ebenso wichtig ist die Klärung, welche Daten verarbeitet werden, wo diese verarbeitet oder gespeichert werden und wie Protokollierung und Nachvollziehbarkeit sichergestellt werden.
Darüber hinaus muss klar sein, wie der Einsatz organisatorisch gesteuert und freigegeben wird und wie Informationssicherheit und Datenschutz gemeinsam betrachtet und umgesetzt werden.
Ohne diese Einordnung besteht die Gefahr, dass technische Möglichkeiten schneller genutzt werden, als Risiken verstanden sind.
Unser Standpunkt bei der glacier
Wir stehen neuen Technologien offen gegenüber und begleiten Unternehmen regelmäßig bei der Einführung innovativer Lösungen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass gerade leistungsfähige KI-Agenten eine besonders sorgfältige Bewertung benötigen.
Informationssicherheit und Datenschutz sind keine Innovationsbremsen. Sie sorgen vielmehr dafür, dass neue Technologien nachhaltig, verantwortungsvoll und rechtssicher eingesetzt werden können.
Einordnung im Kontext des EU AI Act
Der Blick auf Tools wie OpenClaw zeigt sehr deutlich, warum der europäische Gesetzgeber mit dem EU AI Act einen verbindlichen Rahmen für den Einsatz von KI-Systemen geschaffen hat. Der AI Act adressiert genau jene Themen, die bei KI-Agenten im Unternehmenskontext besonders relevant sind: Transparenz, Kontrolle, Verantwortlichkeiten und Risikobewertung.
Gerade KI-Systeme, die eigenständig handeln, Systeme steuern oder Entscheidungen vorbereiten, rücken dabei in einen höheren Risikokontext. Unternehmen sind künftig stärker gefordert, den Einsatz solcher Technologien systematisch einzuordnen, Risiken zu bewerten und nachvollziehbar zu dokumentieren.
Der unkontrollierte Einsatz leistungsfähiger KI-Agenten ist damit nicht nur ein Thema der Informationssicherheit und des Datenschutzes, sondern zunehmend auch eine Frage regulatorischer Compliance. OpenClaw ist ein gutes Beispiel dafür, wie technische Innovation, Governance und Regulierung unmittelbar zusammenwirken.
Fazit
OpenClaw ist ein technisch beeindruckendes Tool mit hohem Automatisierungspotenzial. Genau diese Stärke macht den Einsatz im Unternehmenskontext sensibel.
Ohne eine klare technische, organisatorische und datenschutzrechtliche Einordnung kann der Einsatz erhebliche Risiken für Informationssicherheit, Datenschutz und Compliance mit sich bringen. Für Informationssicherheitsbeauftragte bedeutet das, genau hinzuschauen, Risiken zu bewerten und Entscheidungen bewusst zu treffen.
Wer KI-Agenten wie OpenClaw einsetzen möchte, sollte dies nicht unkontrolliert tun, sondern strukturiert, geprüft und mit einem klaren Verständnis der technischen Auswirkungen.